… Tragischer Maserntod im Hause Dahl …
Dieser Bericht erschien im Peoples Magazin am 31. März 1997 im Rahmen einer Reihe über Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, welche den Tod eines Kindes überstanden haben. Roald Dahls erste Frau, die Schauspielerin Patricia Neal, trug folgendes dazu bei:Im Jahre 1961 zog die spätere Oskargewinnerin Neal (1963 Hud) mit ihrem Ehemann, dem Autoren Roald Dahl (Charlie und die Schokoladenfabrik), und ihren drei Kindern [Olivia, Tessa und Theo] auf das Land ins beschauliche Great Missenden, England, nachdem ihr jüngster Sohn Theo in New York fast bei einem Unfall mit einem Taxi ums Leben kam. Ein Jahr später, steckte sich die 7-jährige Tochter Olivia mit Masern an. Damals waren Impfungen noch nicht weitverbreitet und auch Olivia hatte keine Impfung erhalten. Weniger als eine Woche später, entwickelte sie eine Masernenzephalitis, eine Entzündung des Gehirns. Am 17. November 1962 fiel sie ins Koma und verstarb kurz darauf.
Das Telefon klingelte. Es war der Arzt. Er sagte, “Mrs. Dahl, Olivia ist tot. Haben Sie mich verstanden? Ich sagte, Olivia ist tot.” Ich antwortete, ja, vielen Dank. Ich konnte nicht fassen, wie kalt er klang. Roald kam vom Krankenhaus heim und weinte. Oh, was weinte er. Er hatte ihren toten Körper gesehen. Unglücklicherweise ich nicht. Meine Schwägerinnen brachten mich davon ab. Ich wünschte, sie hätten mich zu ihr gelassen. Ich bliebt die erste Nacht auf und verbrachte sie aus dem Fenster starrend. Dein Liebstes ist tot und doch geht die Sonne wieder auf. Es ist einfach so unsäglich traurig.
Zu dem Zeitpunkt war ich der Halt. Ich kann es mit Worten nicht beschreiben, weil ich nie Ähnliches erlebt habe. Roald war so verzweifelt, daß es ihn fast in den Wahnsinn trieb. Ich mußte alles beieinander halten. Tagsüber kochte ich und machte weiter wie gehabt. Vor 34 Jahren gab es nichts in der Art der heutigen Selbsthilfegruppen. Ich mußte funktionieren, eine andere Möglichkeit gab es nicht. Ich liebte Olivia, großer Gott, ich liebte sie so sehr, aber ich hatte noch zwei weitere Kinder. Ich konnte nicht aufgeben.
Über die Jahre hinweg, habe ich festgestellt, daß es mir immens geholfen hat, über Olivia zu reden. Roald, der 1990 verstarb, verlor mir gegenüber nie ein Wort. Was immer er dachte, es blieb tief in ihm verschlossen.
Einen Teil meines Heilungsprozesses machte die Geburt eines weiteren Kindes aus. Niemand konnte je Olivia ersetzen, aber ein neues Kind begann den leeren Fleck in meinem Leben wieder auszufüllen. In einem Brief an meinen Arzt in Californien kurz nach Olivias Tod schrieb ich, “Ich glaube zutiefst, an das Konzept der Seele. Und ich verlange danach, sie gehen lassen zu können, damit sie frei sein kann, in der Hoffnung, daß sie mir wiedergeboren wird.” Zwei Jahre später gebar ich Ophelia und im Jahr darauf Lucy.
Ich tat im Verlaufe der Zeit einiges, um die Erinnerung an Olivia wachzuhalten. Ich hab einen Silberbecher ihrer Schule gestiftet, als Wanderpokal für den besten Hochspringer eines Jahrgangs, so wie sie damals in 1962 war. Und als ich die Olivia Walton in dem Fernsehfilm spielen sollte, der der späteren Serie vorangestellt war, bestand ich darauf, daß der Name meines Charakters nicht in “Mary” geändert wurde, wie es von den Produzenten eigentlich beabsichtigt war.
Ich behielt stets einige Erinnerungsstücke an Olivia im Hause. Eins ist ein Brief, den sie mit 6 Jahren an eine Freundin der Familie geschrieben hat. Sie schrieb: “Liebe Sheila, danke für den Kaugummi. Ich hoffe, Dir geht es gut. Der Kaugummi war das beste Geschenk, daß ich je bekommen habe. Und jetzt kann ich schon Blasen machen … Alles Liebe, Olivia. XXXXX.” Das ist meine Olivia. Ist sie nicht ein ganz süßes Mädchen?
Übersetzt aus dem Englischen von Frieda Freiberg
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