Impfen schützt – Impfen nützt – Allen!

 

Braucht die Spiegel Redaktion Nachhilfe?

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… im Wissenschaftsressort scheint man es mit der Recherche nicht so genau zu nehmen! …

Spiegel-Leser wissen mehr? Leider nicht!
Spiegel-Leser wissen mehr? Leider nicht!
Spiegel-Leser wissen mehr. Oder auch nicht! Zumindest wenn es um das Thema “Impfungen” geht, bläst auch der Spiegel ins Horn der allgemeinen HPV-Impfhysterie. Der neuste Spiegel Artikel zum Thema HPV-Impfung ist leider um einige Nuancen zu oberflächlich geraten, noch oberflächlicher als der vorherige. Ein schlechter Artikel ist eine Sache, zwei schlecht recherchierte grenzt schon an Vorsatz.

Kritikpunkt 1 – Die Nebenwirkungsmär der 6 Prozent

Kommen wir zum wichtigeren der beiden Kritikpunkte — der fahrlässigen Aufbereitung von Ergebnissen wissenschaftlicher Studien.

Der Spiegel schreibt:

Bei Auswertung der Daten von 12.424 geimpften Frauen in den USA zeigte sich [...] In etwa sechs Prozent der Fälle waren schwerere Nebenwirkungen [...] aufgetreten.

Liebe Redaktion, gerne leisten wir Nachhilfe: Das ist falsch. Da gibt es kein Drumherum. Einfach schlicht und ergreifend falsch. Schon im Abstrakt der Studie[1] weisen die Autoren daraufhin, daß das Ziel der Studie ist, alle gemeldeten Verdachtsfälle zusammenzufassen und zu kategorisieren. Die 12.424 VAERS-Verdachtsfälle, die in die Auswertung einflossen und ausgewertet wurden, entsprechen einer Quote von 53,9 gemeldeten Verdachtsfällen auf 100.000 Impfdosen — also 0,0539 % Fälle mit möglicherweise kausal auf eine Impfung zurückzuführenden Nebenwirkungen. Von diesen 0,0539 % gab es 6 % gemeldeter Fälle (N=772) mit schweren Nebenwirkungen. Lieber Spiegel, das sind 0,003234 %. Verständlich für jedermann: 0,3 Meldungen schwerer Nebenwirkungen auf 100.000 verabreichten Impfdosen.

Die Zahl 12.424 verweist auch nicht auf die geimpften Frauen, sondern stellt die Anzahl aller gemeldeten Verdachtsfälle auf über 20.383.145 Impfdosen HPV4[2] dar. Zum Zeitpunkt der Auswertung der Daten in dem Jama-Bericht waren das also bereits über 23.050.000 verimpfte HPV-Dosen.[3] Diese Verdachtsfälle kann jeder über das Frühwarnsystem des Center of Disease Control, VAERS, melden, unabhängig von einem Kausalzusammenhang. Das VAERS zielt gerade nicht darauf ab, die Verdachtsfälle auf biologische oder epidemiologische Plausibilität zu überprüfen.[4]

So ganz nebenbei wird auch die Zahl der 32, zeitlich in Relation zu einer HPV-Impfung stehenden Todesfälle in den Raum geworfen. Toll! Von den bis Ende August 2008 gemeldeten 31 Todesfällen konnten nur ganze 20 überhaupt in die klinische Auswertung einfließen aufgrund mangelhafter Daten der übrigen. In bezug auf die Todesfälle konnten weder Übereinstimmungen hinsichtlich Altersgruppen, Zeitintervalle, Anzahl der Impfdosen festgestellt noch Trends bezüglich der klinischen Umstände, welche dem Tod vorausgingen oder kausal für ihn verantwortlich waren, erkannt werden.[5] John Iskander, derzeitiger Chef des CDC in Atlanta, sagte bezüglich 10 der untersuchten Todesfälle, für die die vorliegenden Daten Rückschlüsse zuließen, daß diese abschließend mit dem Ergebnis beurteilt wurden, daß Gardasil mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit nicht kausal für diese zur Verantwortung zu ziehen ist.[6]

Nun fragen wir uns natürlich: Liegt dem Spiegel die Studie nicht vor? War die finanzielle Einmalinvestition von 15,00 USD zu hoch, um die Studie in ihrer Gesamtheit zu würdigen? Ist es dem Spiegel nicht zuzumuten, auf der Webseite des CDC zu recherchieren? Oder waren die Englischkenntnisse des Autors nicht ausreichend, um den Inhalt zu erfassen?

Wie dem auch sei, dafür sind wir ja da — wir helfen gerne. Jederzeit. Denn wir wollen, daß der Satz: Spiegel-Leser wissen mehr! auch weiterhin ein wenig Wahres beinhaltet.

Drum kommen wir nicht umhin, uns unserem zweiten Kritikpunkt zu widmen — der Kostenfrage.

Kritikpunkt 2 – Die Kostenfrage

So postuliert der Spiegel:

Die Impfung kostet in Deutschland 477 Euro pro Person.

Daß der Preis nicht für eine Impfung ist, sondern für die Verabreichung von 3 Impfdosen fällt unter den Tisch.

Pikant daran: In kaum einem Land ist die HPV-Impfung so teuer wie in Deutschland.

Ist das wirklich der Fall, fragt sich der kritische Leser? Jein, sagen wir. In der Einführungsphase von August bis Dezember 2006 ließen sich folgende Preise* in USD für eine Dosis des Merck-Impfstoffes Gardasil verzeichnen:[7]

Deutschland – 128,29 EUR [183,5870 USD]
Frankreich – 119,14 EUR [170,4902 USD]
Kanada – 94,26 EUR [134,8894 USD]
Schweden – 123,85 EUR [177,2312 USD]
Schweiz – 131,22 EUR [187,7860 USD]
Großbritannien – 127,10 EUR [181,8804 USD6
Vereinigte Staaten - 106,29 EUR [152,1041 USD]
Internationaler Mittelwert – 125,47 EUR [179,5558 USD]

* Umrechnung mit heutigem Kurs

Demnach lag der Preis in Deutschland ganze 4,00 USD über dem internationalem Mittelwert — 2,80 EUR also.

Aber damit haben wir uns natürlich nicht zufrieden gegeben. Wir haben also auch die derzeitigen Marktpreise* (Preise direkt in der Apotheke) zusammengestellt:

Deutschland
- 130,00 EUR[8]
- 115,00 EUR Herstellerabgabepreis[9]
Großbritannien
- 166,30 EUR [144.90 GBP] Empfohlener Marktpreis
- 110,85 EUR [  96.60 GBP] Chemist Direkt Preis[10]
Niederlande
- 118,11 EUR[11]
Schweiz
- 156,05 EUR [236.85 CHF] Marktpreis[12]
-   92,56 EUR [140,00 CHF] Impfprogrammpreis[13]
Vereinigte Staaten
- 108,00 EUR [154,00 USD][14]
Internationaler Durchschnittsmarktpreis der o.g. Länder
- 135,69 EUR

* ohne Mehrwertsteuer

Feststellen ließ sich, daß damit der Marktpreis in Deutschland ca. 5,70 EUR unter dem Durchschnittswert liegt und dem Mittelwert entspricht. Ja, der Handelspreis in Deutschland ist nicht der günstigste, aber auch nicht der teuerste. Für den Endkonsumentenbezugspreis von 154,97 EUR ist die auf Arzneimittel zu zahlende Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent verantwortlich. Nicht schön, aber isso – keine Verschwörung der Pharmamafia, keine gekauften Politiker, einfach nur bitterböse deutsche Steuerpolitik.

Schade, daß dem Spiegel damit ein Beitrag gelungen ist, in dem die beiden abgehandelten Punkte völlig verfehlt wurde. Eine Korrektur wäre in Anbetracht der Tatsache wichtig, daß auch dieser Artikel in einigen Jahrzehnten im Archiv vorgehalten werden wird und durchaus als Recherchebasis Dritter verwendet werden könnte.

Quelle:

Links:

Quellennachweise:

  1. “Objective: To summarize reports to the Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) following receipt of qHPV [HPV4]“
    Postlicensure Safety Surveillance for Quadrivalent Human Papillomavirus Recombinant Vaccine. []
  2. Stand, 31.08.2008 (Biologics Surveillance Data, unpublished, CDC), Seite 6. []
  3. Errechnet anhand der vorliegenden VAERS-Quote von 53,9 auf 100.000 Impfinstanzen. Außerdem belegt in “Wissenschaftler untersuchen Nebenwirkungen“, Spiegel 19.08.2009. []
  4. “VAERS is not designed to assess biological or epidemiological plausibility of AEs following vaccination.”
    VAERS Auswertung des CDC Seite 20. []
  5. “Deaths:
    –No clustering by age groups, onset intervals, or dose number
    –No trends in clinical conditions which preceded or caused death”

    VAERS Auswertung des CDC, Seite 20. []
  6. John Iskander, CDC’s acting director for immunization safety, said a review of 10 confirmed deaths allegedly linked to Gardasil found no common thread. He said that officials “concluded to the degree of certainty possible” that Gardasil was not the cause of the deaths.”
    http://www.medicalnewstoday.com/articles/114346.php. []
  7. http://www.pmprb-cepmb.gc.ca/English/View.asp?x=924&mp=572. []
  8. DocMorris: Gardasil Reimport. []
  9. ABDA-Datenbak vom 06.09.09. []
  10. Chemist Direct: Gardasil. []
  11. Pharmazeutischer Bericht der Commissie Farmaceutische Hulp (Seite 10). []
  12. http://www.marketwatch.com/story/swiss-gardasil-price-cut-40-for-use-in-vaccination-program. []
  13. HPV-Impfprogramm. []
  14. Moore Medical: Gardasil. []

3 Kommentare auf 'Braucht die Spiegel Redaktion Nachhilfe?'

  1. avatar Cyberdoc says:

    Wohltuend einmal keine Desinformation zum Thema zu lesen! Danke.
    Aber natürlich sind Sie von der pösen, pösen Pharmaindustrie gekauft worden oder? Denn es kann nicht sein was nach Spiegel nicht sein darf.

  2. avatar Redaktion says:

    Der Spiegel ist des öfteren etwas nachlässig, was die Recherche betrifft. Der Beitrag vor einigen Wochen war bereits unterirdisch – aber dann gleich noch einen drauf zu setzen und zu insinuieren, wie teuer doch alles in Deutschland ist und die Gewinner nur die Pharmas wären … Und wie unfähig die Politiker, die sich zum Büttel der Pharmaindustrie machen — also viel unterirdischer geht es gar nicht.

    Interessant auch, wie man in diesem Falle meint, daß offensichtlich die Marktwirtschaft nicht funktioniert. Vielleicht muß man einen draufsetzen und proklamieren “Spiegel in den Klauen der Sozialisten – Marktwirtschaft abgelehnt!” …

  3. avatar Wolfgang says:

    Warum klagt Kurth nicht auf üble Nachrede?

    Aber es gibt schon auch ein journalistisches Problem beim ganzen Impfwesen.
    Journalisten sagen, aber man muss ja beide Seiten betrachten. Das ist irgendwei komisch. Entdeckt ein Astronom einen neuen Exoplaneten sind alle ganz aufgeregt- der gute Mann(oder Frau) wird interviewt. Die “andere Seite” also die Astrologen und der Verein der Freunde der flachen Erde (flat earth society) werden NICHT gefragt.

    Gehts um eine Impfung wird natürlich auch ein Experte gefragt, aber eben AUCH ein Laie, Virenleugner, AIDS-Denialist Tolzin (Hat ja erst kürzlich unterschrieben
    http://www.virusmyth.com/statement/search/2/Germany/tolzin – da bezeichnet er sich als Journalist- könnt ja zum SPON gehen?)
    Ja und klar auch andere die Probleme mit medizinischen Realitäten haben, wie Homöopathen, werden wegen der Impfung befragt.

    Das Ergebnis ist dann vorhersehbar- der Exoplanet wird weiter untersucht und die Impfung ist “umstritten”

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