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Goethe-Zentrum bescheinigt Homöopathie verblüffenden Erfolg

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… Zuckerkügelchen und Hokuspokus für Indien …

"Seit über 200 Jahren erweist sich die Homöopathie als verblüffend erfolgreich bei der Behandlung von chronischen und allergischen Krankheiten wie Rheuma, Migräne, Asthma oder Hautproblemen."
'Seit über 200 Jahren erweist sich die Homöopathie als verblüffend erfolgreich bei der Behandlung von chronischen und allergischen Krankheiten wie Rheuma, Migräne, Asthma oder Hautproblemen.' - meint das Goethe-Institut, Neu Delhi
Das Goethe-Institut ist nach eigener Aussage ein “weltweit tätiges Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland.” Es nimmt “zentrale Aufgaben der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik” wahr.[1] Daß die Bildung in Deutschland gerade nicht sonderlich auf einem Höhepunkt verweilt, zeigen nicht nur die Ergebnisse der PISA-Studien auf, sondern auch die Einstellungen der deutschen Bildungsträger. Da ist das Goethe-Institut in Neu Delhi, welches in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum begeht, keine Ausnahme.

Natürlich wäre es begrüßenswert, wenn das Auswärtige Amt, welches im Großen und Ganzen in enger Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut steht, etwas auf die Außenwirkung seiner Kulturträger achtete und darauf Einfluß nimmt, daß wissenschaftlich nicht haltbarem Hokuspokus in medizinischem Gewand keine Werbeplattform gegeben wird, doch das wäre wohl zuviel verlangt. Unter den Politikern vieler Parteien erfreuen sich unwirksame Therapieangebote der Alternativmedizin bedauerlicherweise allzu großer Beliebtheit.[2] Leider sind offensichtlich unter den Mitarbeitern und Entscheidungsträgern des Goethe-Institutes keine, die scienceblogs.de unter ihren Lesezeichen gesichert haben (und auch gelegentlich einen Blick reinwerfen). Sonst wären ihnen nämlich nicht die vielen Beiträge entgangen, die sich mit der fehlenden Wirksamkeit der ∴Homöopathie auseinandersetzen.

Daß es sich bei den Mitarbeitern um ausgesprochene, medizinische Laien handelt muß, erschließt sich aus der Ankündigungsmitteilung zur Ausstellung über die Homöopathie anläßlich des 255. Geburtstages ∴Hahnemanns. Anstelle aufklärend zu wirken und die Rationalisten Indiens zu unterstützen, welche sich bemühen, ihre Mitmenschen über Scharlatanerie, Gurus und medizinischen Hokuspokus wie die Homöopathie aufzuklären,[3][4] bewirbt das Kulturinstitut diese Methode in einem Land, in dem die meisten keine ausreichende medizinische Versorgung in Anspruch nehmen können; einem Land, in dem Eltern ihre Kinder zu heiligen Männern bringen, damit diese auf ihnen herumtrampeln, um sie mit der göttlichen Kraft ihrer Füße zu segnen.[5] Obwohl Indien und Pakistan “die geographischen Zentren der Homöopathie” in Südasien sind und diese dort alsbald von “einheimischen Ärzten und Amateurheilpraktikern” mit Interesse angenommen wurde, da Konzepte der Homöopathie “leicht mit traditionellen indischen Heilmethoden kombiniert werden konnten”, sieht sich das Goethe-Institut nicht seiner Bildungsaufgabe verpflichtet, über die Unwirksamkeit und Unwissenschaftlichkeit der Homöopathie aufzuklären.

Im Gegenteil, das Goethe-Institut erhält den Schein aufrecht, es handele sich um eine “moderne westliche Heilkunst”, über deren Geschichte diese Ausstellung informiert. Daß das Ganze auch noch von dem Institut für die Geschichte der Medizin (IGM) mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart, aufgezogen wird, verwundert da gar nicht weiter. Wie Florian Freistetter, scienceblogs.de, so schön sagt “Homöopathie ist keine Medizin! Homöopathie wirkt nicht!”[6] Alles Verarsche – von Deutschland propagiert und vom Goethe-Institut für erfolgreich befunden.

Quelle:

Quellennachweise:

  1. Goethe-Institut, Über Uns – http://www.goethe.de/uun/deindex.htm, 10. April 2010. []
  2. Plazeboalarm: Homöopathie, Abgeordnete und das Prozentspiel – Marcus Anhäuser, 08. Februar 2010. []
  3. Rationalists: About Us. []
  4. Rationalist: Agenda. []
  5. Dokumentation mit ∴Sanal Edamaruku, Gründer von Rationalist International und Präsident der Indian Rationalist Association, auf YouTube. []
  6. Astrodicticum Simplex: “Wie Homöopathen die Menschen in Sierra Leone verarschen” von Florian Freistetter, 30. März 2010. []

4 Kommentare auf 'Goethe-Zentrum bescheinigt Homöopathie verblüffenden Erfolg'

  1. [...] This post was mentioned on Twitter by JoergR, Christian Specht. Christian Specht said: ♺ @JoergR: Goethe-Zentrum bescheinigt Homöopathie verblüffenden Erfolg http://bit.ly/amtuFL m( [...]

  2. avatar fatmike182 says:

    Auf der verlinkten Seite wird auf Martin Dinges verwiesen. Dieser ist lt dem Text Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Geschichte der Medizin in Stuttgart; lt dem Text http://www.igm-bosch.de/content/language1/html/10979.asp klingt das aber schon etwas anders.

    Ist er nun Wissenschaftlicher Direktor?

    Jedenfalls publiziert er fleißig über Hahnemanns Erkenntnisse & ist Mitherausgeber der Zeitschrift für Klassische Homöopathie. Sich an martin.dinges@igm-bosch.de zu wenden dürfte also aufgrund von Senilität & vllt auch Überheblichkeit (falls er doch nicht wissenschaftl. Direktor ist) unnütz sein. Es wäre dennoch fein, wenn wer ein aufklärendes Mail an das Institut schreiben könnte — so spannend Voodoo & co im kulturellen Kontext ist.

  3. avatar paraphen says:

    Also, der Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart ist Jütte.

    Worauf sich beim Dinges das ” stellvertretender Leiter (seit 1997)” bezieht, ist mir nicht so ganz klar – vermutlich des Institutes, dessen Archivar er ja vorher war. Auf jeden Fall ist der Typ Mitherausgeber der Zeitschrift für Klassische Homöopathie, Stuttgart (Mitherausgeber).

    Über seine Einstellung kann man hier sich gut informieren: http://www.igm-bosch.de/content/language1/downloads/s-2008-1044071.pdf

    “Dieser Artikel wirft einen genaueren Blick auf die Entwicklung der letzten ca. 30 Jahre und kommt zu dem Ergebnis, dass die Homöopathie in der Zangenbewegung zwischen Allopathie und Ayurveda trotz ihrer unstreitigen Erfolge der letzten Jahrzehnte im Verhältnis zu ihren Konkurrenten ein Absteiger ist.”

    Mal ganz ehrlich, der Typ hat keinen blassen Schimmer von Medizin.

    • Studium der Rechts-, Geschichts- und Politikwissenschaften in Köln, Mainz, Bonn, Berlin (Freie Universität) und Bordeaux,
    • 1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien (1982),
    • Promotion zum Dr. phil. (1986),
    • Archivassessor (1991),
    • Habilitation (Neuere Geschichte) an der Universität Mannheim (1992).

    Was soll man denn da noch sagen?

  4. avatar Redaktion says:

    Dinges ist also der stellvertretende Leiter. Möglicherweise ist “wissenschaftlicher Direktor” ein Titel, den er im Ausland gerne pflegt (mit Kenntnis der Stiftungsleitung und vielleicht auch der Geschäftsführung) um ihm mehr Gewicht zu verleihen.

    Daß er mit diesem Titel absichtlich genannt wird, um der Ausstellung der Pseudomedizin einen wissenschaftlichen Hauch zu verleihen – also vorsätzliche Desinformation kann ich mir kaum vorstellen. Nun obwohl, wer behauptet, die Homöopathie erweise sich als erfolgreich, dem trau ich diese Art der Desinformation eigentlich durchaus zu.

    Paßt zur Homöopathie: Mehr Schein als Sein.

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