… worüber offen nicht gesprochen wird …
Problemzone Weihwasser
Aufmerksam studierte der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamts, Professor Heinz Baron, die Polio-Statistik. 106 Kinderlähmungsfälle waren ihm bis Ende Juli gemeldet worden, elf davon mit tödlichem Ausgang. Dabei irritierte den Gesundheitshüter, daß sich die Polio-Viren offensichtlich nicht an den konfessionellen Proporz in Düsseldorf hielten, sondern weit mehr Katholiken attackierten als Protestanten. Den Infektionsherd hatte Baron bald entdeckt – es war der Kindergarten der katholischen Herz-Jesu-Pfarre in dem dichtbevölkerten Stadtteil Derendorf. Aus diesem Bezirk kamen allein 33 der insgesamt 106 Polio-Erkrankten. Von den elf Todesfällen entfielen sogar sieben auf Derendorf.
Professor Baron folgerte, daß möglicherweise ein katholisches Ritual die Übertragung der gefürchteten Poliomyelitis begünstige. Auf der Suche nach einem Infektionsträger keimte in dem Stadtmedikus der Verdacht auf, daß die Viren durch das Weihwasser aus der Derendorfer Herz-Jesu-Kirche weitergetragen worden waren.
Sakrale Scheu hielt den Professor jedoch davon ab, seinen Verdacht durch eine bakteriologische Untersuchung des Weihwassers zu untermauern: “Ich halte das für einen nicht vertretbaren Eingriff in kirchliche Hoheitsrechte.”
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