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Die Bandbreite

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Die Bandbreite
Torben Pape, Marcel Wojnarowicz
Die Bandbreite (ursprünglich bis 2005 Wojna und die komplette Bandbreite) ist der Name eines Hip-Hop-Duos aus dem Ruhrgebiet (Duisburg), das sich auf Auftritte in der so genannten ∴Truther-Bewegung, bei EU-Ablehnern, ∴Ron Paul-Anhängern und in der ∴Verschwörungstheorie-Szene spezialisiert hat, und sich im Eigenverständnis allgemein dem “Polit-Pop” zurechnet. Das Duo entstand 1999, die erste Gemeinschaftsproduktion erschien 2000 auf dem Sampler “Komm in die Pötte”.

Tonträger von “Die Bandbreite” werden über “Lärmquelle Records” in Oberhausen vertrieben.

Einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte die Band um Marcel Wojnarowicz aber nicht durch ihre Auftritte bei Ruhrpott-Stadtfesten oder Veranstaltungen des DGB, sondern durch Songs wie “Selbst gemacht”[1] und “Unter falscher Flagge”[2] im Internet, in denen Verschwörungstheorien als Wahrheiten verbreitet werden.

Mediale Unterstützung und Lob erhielt “Die Bandbreite” von der DVU-nahen Webseite “Deutschlandpolitik”, der Webseite des rechtsextremistischen Netzwerks Altermedia, sowie auch beim rechtsoffenen, teilkommerziellen und anonymen Blog ∴Alles Schall und Rauch. Auch die Unterstützung der in Berlin erscheinenden “Junge Freiheit” war sich die Band gewiß und gab dieser eine Erklärung gegenüber ab.[3]

Auch zu dem Verschwörungserfinder ∴Gerhard Wisnewski gibt es wechselseitig profitable Beziehungen. So räumte Wisnewski der Band in einem seiner Bücher 10 Seiten Platz ein. Im Gegenzug wird ein Wisnewski-Buch dann auf der Bandbreite-Website beworben.

Interpreten

Marcel Wojnarowicz, Sänger
Marcel Wojnarowicz, Sänger
  • Marcel Wojna Wojnarowicz (geb. 1976, Gesang, Produktion), der 2009 als Einzelbewerber für den Wahlkreis Duisburg 1 zur Bundestagswahl auftrat[4][5]und 407 Stimmen (0,32%) erhielt. Wojnarowicz trat dabei als Kandidat der “Willi-Weise-Bewegung” des Unternehmensberaters ∴Otto Friedrich Schönbeck an, der den ∴kommissarischen Reichsregierungen (KRR) und einem Ron-Paul-Netzwerk nahesteht.
  • Torben Pape DJ-Torben, DJ-Jing (Sound, Co-Produktion)

Positionen

Die Songtexte sind ausschließlich auf Deutsch. Der Band wurde mehrfach vorgeworfen, antisemitische und islamfeindliche Agitation zu betreiben und sich gegen vermeintliche “Anti-Deutsche” zu wenden, denen sie ein Stück gleichen Namens widmeten. Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 werden kritiklos ins Repertoire integriert, etwa im Stück “Selbst gemacht”:

Wenn man sich Berichte anguckt, dann wird es plausibel, warum die Amerikaner Terroranschläge auf ihre eigenen Hochhäuser verübt haben – Es gibt genügend Berichte im Internet, informiert Euch doch einmal darüber.

Eigene Positionen ergäben sich nach Auskunft von Marcel Wojnarowicz aus Analysen eines eigenen verläßlichen Netzwerks, zu dem zahlreiche Experten gehören würden.

Wir haben dann [...] Leute kennen gelernt, investigative Journalisten, die nicht den Mainstream nachplappern, sondern selbst recherchieren und eine kritische Berichterstattung pflegen, Leute wie Jürgen Elsässer und Gerhard Wisnewski zum Beispiel.[6]

Der Anschlag am 11. September 2001 ginge schon deshalb auf das Konto der USA, weil die US-Flugabwehr ausgeschaltet gewesen sei und die beiden WTC-Türme auf Grund ihrer hohen Fallgeschwindigkeit gesprengt worden sein müssten.

Diese Erkenntnis hatten wir nicht von vornherein, sondern erst nach der Lektüre von Büchern und nachdem wir uns ein paar Dokumentationen dazu angesehen hatten. Da haben wir gemerkt, daß nicht alles so ist wie es scheint, dass die Medienlandschaft doch schon sehr stark gleichgeschaltet ist [...][6]

In ihrem Lied “Wir können auch anders” relativieren die Polit-Popper den Faschismus, indem sie den – zweifellos zu verurteilenden – Neoliberalismus damit gleichsetzen:

Denn die Neuform des Faschismus /
heißt heut Neoliberalismus /
losgelöst von Haut und Rasse /
triffts die mit Ebbe in der Kasse.
[7]

Weiter geht es mit homophoben Passagen in “Kein Sex mit Nazis”, wo die Ursachen des Faschismus auf Hitlers angebliche nicht befriedigte Homosexualität reduziert wird.[8]Keiner von den Schwulen damals wollte Sex mit Nazis“. Die Bandbreite warnt abschließend vor “Sex mit Nazis”. Schließlich würden viele “Gefahren hinter braunen Löchern lauern“. Der Fanatismus Hitlers wird in diesem Lied aus dessen angeblicher Homosexualität hergeleitet. Trotz alledem dient dieses Lied immer wieder als Beispiel für den angeblichen “Antifaschismus” der Band. Dabei macht gerade das Lied “Kein Sex mit Nazis” deutlich, daß es mit diesem “Antifaschismus” nicht weit her ist:[9]

National und Sozialist dat is /
wenn man gut zu den eigenen Leuten /
und schlecht zu allen andern ist.
[8]

Über die dargestellten, homophoben Ressentiments hinaus, propagieren die Musiker in ihren Liedern außerdem ein fragwürdiges Frauenbild, z.B. in “Man kennt uns”:

Ich brauch jetzt was Williges /
seh ichs, brauch ichs, will ich es /
was heute wichtig is /
is letztlich was recht Billiges (…)
Ey, Emanzen nach hinten, darf ich denn zum Tanze bitten? (…)
Ey Süße komm mit, denn aufem Rücksitz von mein Schlitten -
Ey dat ist der Hit – da kömma lustig weiter wippen.
Ey! Dein Mini-Tanga stört nicht!
Heut fick i die! Ey man ick leck sie ab.
[10]

und in “Miesmuschel”:

Beim Reiten quetscht du mir ein Ei zu Brei /
Ich zeig dich an, ich ruf dich an /
ich ruf die Polizei /
Dat sorgt bei denen für Erheiterung. Mir egal /
denn ich plädier auf Vergewaltigung!
[11]

So scheinen Frauen in Wojnarowicz‘ und Torbens Weltbild als fleischgewordenes Objekt einzig der Befriedigung männlicher Triebe zu dienen. In ihrem Song “Eingelocht”:

Ne, ne, es tut dir weh, doch wir warten nich /
wo ich doch so selten ma n harten krich /
du bis nich artig und jetzt kommt deine Strafe /
du kanns nicht erwarten, datt ich zärtlich mit dir schlafe.
[12]

beschreiben die Musiker auf drastische und sehr bildhafte Weise, wie zwei Männer eine Frau penetrieren, die das augenscheinlich so nicht will.[13]

Politisch gesehen sieht sich die Band dem linken Spektrum zugeordnet.[14][15] Jedoch erfährt sie aus genau diesem Spektrum auch enorme Kritik:

Wer wie in den Lieder „Man kennt uns“ und „Miesmuschel“ so unverblümt sexistisch Frauen als Dinge ansieht, gegen Emanzen hetzt und für ein plattes gesellschaftliches Schönheitsideal eintritt, hat auf linken Veranstaltungen auch nichts zu suchen.[16]

Unterstützung bezüglich des kritischen WAZ-Artikels Von rinks nach lechts[17] erfährt die Band vom ∴ Kopp-Verlag durch dessen Autor Gerhard Wisnewski:

In Deutschland gibt es keine politische Verfolgung? Und ob. [...] Jüngstes Beispiel ist die Hip-Hop-Band »die bandbreite«, die es wagte, in ihrem Song »Selbst gemacht« die offizielle Version der Ereignisse des 11. September 2001 in Frage zu stellen.[18]

Politansichten werden auch in einem Band-Buch mit dem Titel “Die Wahrheit sitzt im Backstage” im Culex-Verlag verbreitet.[19]

Auftritte

Die Bandbreite, AZK Auftritt
Torben Pape, Marcel Wojna, Christoph Hörsten, Ivo Sasek (v.l.n.r)
Auftritte der Band sind von der IG Metall bekannt, aber sie trat auch zusammen mit dem “Bergwerksorchester Niederrhein” auf einem Duisburger SPD-Parteitag auf, ohne daß es zu Protesten kam.

Auftritte von “Die Bandbreite” erfolgten auf der ∴Anti Zensur Koalition des Schweizer evangelikalen Sektengründers und Verschwörungstheorieverbreiters ∴Ivo Sasek. Dabei verwendeten sie T-Shirts mit der Aufschrift ∴Alles Schall und Rauch, einem anonymen, kommerziellen Blog der Verschwörungstheorieszene um einen Schweizer namens Freeman und beschwerten sich über Kritik seitens an­ony­mer Kräf­te, die die Auf­tritte der Band ver­hin­dern wol­len. So inszenierten sie sich in der öffentlichen Veranstaltung selbst als vermeintliche Opfer von Kampagnen “mächtiger Kreise” als Hexenjagd.[20]

Sprecher der DGB Jugend und der IG Metall Bayern erklärten, die Gruppe nicht mehr auftreten lassen zu wollen.[21]

Die Kritik an der Band aus dem linken Lager führte dazu, daß sich im Juni 2008 nur rund ein Dutzend Zuhörer zu einem Gratiskonzert in der Berliner “Kulturbrauerei” verirrten.[22]

Auszug aus der Auftrittsliste[23]:

  • 20.12.2009 – Geopolitische Konferenz Gera (Infonetzwerk Gera)
  • 04.07.2009 – 1. Schall und Rauch Blog Treffen Deutschland, Fulda
  • 18.04.2009 – 3. Schall und Rauch Blog Treffen, Eschenbach, Kanton Luzern, Schweiz
  • 21.02.2009 – Anti-Zensur-Konferenz, Chur, Schweiz
  • 06.09.2008 – Alles Schall und Rauch Treffen, Restaurant Chlöpfen, Eschenbach, Kanton Luzern, Schweiz

Literatur:

  • Nikolaus Gatter: Die Bandbreite: Liedermacher oder Hip-Hopper? Duisburger Duo zwischen Zensur und Ground Zero. In: Folker! Das Magazin für Folk, Lied und Weltmusik 3/2009, S. 18 f.
  • Die Bandbreite: Die Wahrheit sitzt im Backstage. Culex-Verlag, Duisburg 2009, ISBN 978-3-942003-02-5
  • Verschwörungsideologien blockieren — eine Kritik

Weblinks:

Quellennachweise:

  1. http://diebandbreite.de/texte/text_anzeigen.html?&id=52 []
  2. http://diebandbreite.de/texte/text_anzeigen.html?&id=55 []
  3. Das sehen auch die Konzertveranstalter so und haben sich, wie Wojnarowicz gegenüber der JUNGEN FREIHEIT bestätigt, ausdrücklich mit den diffamierten Künstlern solidarisiert. [...] “Wir haben alles versucht, mit ihnen in Verbindung zu treten. Aber kein Echo erhalten”, erklärt Wojnarowicz der JF irritiert, “wer weiß, wer wirklich dahintersteckt?”
    http://www.jf-archiv.de/online-archiv/file.asp?Folder=07&File=200734081761.htm []
  4. Bürgernah und kontrovers: Hiphop-Künstler Marcel Wojnarowicz kandidiert als Parteiloser in Duisburg für den Bundestag.
    http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Hiphop-und-Politik-id232338.html []
  5. Wahlwerbespot von M. Wojnarowicz. []
  6. Islamische Zeitung, Eine Botschaft ist heute selten geworden, 12.02.2009. [] []
  7. http://diebandbreite.de/index.html?page=/texte/text_anzeigen.html&id=46 []
  8. http://diebandbreite.de/index.html?page=%2Ftexte%2Ftext_anzeigen.html&id=53. [] []
  9. Reflexionen: Verschwörer, 26.03.2009. []
  10. http://lyrics.wikia.com/Die_Bandbreite:Man_Kennt_Uns. []
  11. http://lyrics.wikia.com/Die_Bandbreite:Miesmuschel. []
  12. http://www.musicload.de/die-bandbreite/eingelocht/musik/single/2956700_4 []
  13. Der Freitag, bememabel-Blog: Braune Inhalte hinter linkem Etikett. 05.10.2009. []
  14. Wojna: Ich bin Mitglied der Sozialistischen Jugend Deutschlands, der Falken. Darüber hinaus bin ich Gewerkschaftsmitglied in der IG Metall.

    Islamische Zeitung, Eine Botschaft ist heute selten geworden, 12.02.2009. []
  15. Torben Pape alias DJ Torben von der “Bandbreite” ist aktives Mitglied im Ortsjugendausschuss der IG Metall Duisburg und das Logo der IG Metall Jugend zierte auch schon das Cover der Band-CD.

    SPON, Alexandra Sillgitt: Gewerkschafter lassen Verschwörungstheoretiker rappen, 28.11.2007. []
  16. Gruppe DISSIDENT: Die Bandbreite hat nix auf linken Veranstaltungen zu suchen! 01.04.2009 []
  17. WAZ, Zlatan Alihodzic: Von rinks nach lechts, 31.07.2008. []
  18. http://info.kopp-verlag.de/news/waz-politische-hetze-gegen-hip-hop-band-bandbreite.html []
  19. Pressemitteilung des Culex-Verlages vom 01.10.2009 []
  20. http://vollebandbreite.blogsport.de/. []
  21. “Diese Band wird nicht mehr bei Veranstaltungen der IG Metall Bayern und der DGB Jugend auftreten”, sagt [Matthias Jena von der IG Metall Bayern].

    SPON, Alexandra Sillgitt: Gewerkschafter lassen Verschwörungstheoretiker rappen, 28.11.2007. []
  22. Nachdem der Sänger Wojna, bekleidet mit einem T-Shirt auf dem Adolf Hitler und das Hakenkreuz gleichgesetzt waren mit George W. Bush und der US-Amerikanischen Flagge – Aufschrift „Same Shit – Different Asshole“ anfing den ersten Song vor ca. 11 Gästen zum Besten zu geben, verteilte eine kleine Gruppe die Infozettel mit unten stehendem Text im, eine größere vor dem Saal. In der Folge verließen 4 Gäste sofort, 3 nach wenigen Minuten den Konzertsaal.

    http://de.indymedia.org/2008/06/220048.shtml []
  23. http://diebandbreite.de/info/info.html&auswahl=auftritt. []
Erstellt: 2007-01-01, 00:02 [Monday]
Geändert: 2009-12-28, 21:05 [Monday]
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