Impfen schützt – Impfen nützt – Allen!

 

Immunisierung

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Eine große Errungenschaft der Medizin sind ohne Zweifel vorbeugende Schutzimpfungen, durch die bestimmte sog. impfpräventable Infektionskrankheiten und deren schwerwiegende Folgen für die Gesundheit verhindert werden können. Leider können noch nicht alle gefährlichen Krankheiten durch Impfungen verhindert werden.

Impfungen sind Trainingsmaßnahmen für das menschliche Immunsystem, durch die die gleichen Vorgänge angeregt werden, mit denen sich der Körper gegen Krankheitserreger wehrt. Im Unterschied zu einer Infizierung mit echten krankmachenden Erregern kann er bei diesem “Training” jedoch nicht ernsthaft erkranken. Der menschliche Körper muß tagtäglich mehrere tausende Erreger bekämpfen. Im Laufe der Evolution haben sich komplexe Schutzmechanismen herausgebildet, mit denen der Körper auf eindringende Fremdeiweiße reagiert.

Auf krankmachende Erreger, zum Beispiel Viren und Bakterien, reagiert das Immunsystem mit mehreren Abwehrstrategien. Die Bildung von Abwehrstoffen, so genannten Antikörpern auch Immun(o)globuline, ist eine davon. Diese helfen bei der Vernichtung von Erregern und verhindern so deren unkontrollierte Ausbreitung. Neben der angeborenen Immunität eines Menschen, z.B. gegen Tierseuchen, bekommt ein Neugeborenes eine Basisdosis von Abwehrkörpern von seiner Mutter über die Plazenta und das Kollostrum (die Vormilch) mit, um ihn in der Phase kurz nach seiner Geburt zu schützen. Diese passiven Abwehrstoffe werden jedoch in nur kurzer Zeit abgebaut (ca. 3 Monate) und Schutzimpfungen setzen dort an, wo dieser Nestschutz an seine Grenzen stößt.

Im Rahmen der Abwehrstrategien bildet der Körper auch Zellen, die sich Merkmale der eindringenden Erreger merken. Diese Zellen werden Gedächtniszellen genannt und spielen bei der erworbenen Immunität eine Rolle. Bei einem späteren Kontakt mit den gleichen Krankheitserregern sind diese Gedächtniszellen in der Lage, blitzschnell die Bildung von Antikörpern zu veranlassen, welche die Erreger sofort unschädlich machen. Aus diesem Grund kann ein Mensch bestimmte Infektionskrankheiten, beispielsweise Masern oder Hepatitis, nicht zweimal bekommen. Hat der Mensch eine Infektionskrankheit überstanden, bleiben Abwehrstoffe und Gedächtniszellen für eine längere Zeit oder auch das ganze Leben im Organismus erhalten. Der Körper hat auf natürliche Weise Immunität erworben. Weitere Infektionen durch die gleichen Erreger oder solche, die als dazugehörig erkannt werden, rufen nur eine geringfügige Erkrankung hervor oder bleiben gänzlich ohne krankmachende Wirkung.

Diese Funktionsweise machen sich die Schutzimpfungen zu Nutze: Sie forcieren den menschlichen Körper Abwehrstoffe gegen den geimpften Erregern zu bilden und die dazugehörigen Gedächtniszellen zu produzieren, die bei einem Kontakt mit dem echten Krankheitserreger sofort reagieren können. Die Erkrankung kann nun nicht mehr bzw. nicht mehr so stark ausbrechen. Diese Art der Immunität ist die künstlich erworbene.

Immunität ist also die Unempfindlichkeit eines Organismus gegenüber Krankheitserregern.

Schema zur Immunisierung
Schema zur Immunisierung

Aktive Immunisierung

Ziel der aktiven Impfung ist der Aufbau eines langfristig wirksamen Schutzes. Hierzu werden abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger, die selbst keine ernsthafte Erkrankung mehr verursachen können, verabreicht. Dem Körper wird so eine Infektion vorgetäuscht und er reagiert mit der Bildung von Antikörpern und Gedächtniszellen.

Damit der Körper ausreichend Antikörper und Gedächtniszellen bildet, muß er in mehreren Einheiten trainiert werden. Hierfür müssen die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Impfungen, die im so genannten Impfschema festgelegt sind, eingehalten werden. Ein sicherer Impfschutz ist erst nach allen empfohlenen Teilimpfungen erreicht. Auffrischungsimpfungen im Erwachsenenalter dienen einer nochmaligen “Erinnerung” des Immunsystems und halten einen sicheren Impfschutz aufrecht.

Passive Immunisierung

Bei einigen Krankheiten besteht die Möglichkeit, durch eine passive Impfung einen sofortigen Schutz aufzubauen. Dies kann notwendig sein, wenn ein Mensch aktuell mit einem Krankheitserreger in Kontakt gekommen ist oder wenn kurzfristig eine Reise in ein Land ansteht, in dem bestimmte Erkrankungen weit verbreitet sind und keine Zeit für eine Grundimmunisierung vorhanden ist.

Bei der passiven Impfung werden Konzentrate aus Antikörpern gespritzt, die von Menschen stammen, welche diese Erkrankung bereits durchgemacht haben. Im Unterschied zur aktiven Impfung bietet die passive Impfung einen sofortigen Schutz, der allerdings nur kurze Zeit, das heißt ungefähr drei Monate, hält.

Wenn die Notwendigkeit besteht, einen sofortigen Schutz und parallel hierzu einen langfristigen Schutz aufzubauen, wird eine aktive und passive Impfung gleichzeitig verabreicht. Eine passive zusätzlich zur aktiven Impfung bekommen beispielsweise auch Neugeborene, deren Mütter an Hepatitis B, einer übertragbaren Leberentzündung, erkrankt sind. Eine Infektion kann so in fast allen Fällen verhindert werden.

Nestschutz – was genau ist das?

Neugeborene verfügen nach der Geburt über einen so genannten Nestschutz, das heißt sie sind durch mütterliche Antikörper gegen bestimmte Erkrankungen geschützt. Dies gilt allerdings nur für die Infektionskrankheiten, gegen die die Mutter eine aktive Immunität entweder durch Schutzimpfung oder durch vorherige Erkrankung erworben hat. Dieser Schutz ist aber, wie alle passiv erworbenen Immunitäten, nur temporär.

Deshalb ist es wichtig, möglichst früh mit dem Aufbau der aktiv erworbenen Immunität eines neugeborenen Menschens zu beginnen. Nur so ist das Kind in einem Alter, in welchem diese Erkrankungen am häufigsten auftreten und die schwersten Schäden anrichten können, sicher geschützt. Die einzigen plazentagängigen Antikörper sind die G-Immunoglobuline (IgG). A-Immunoglobuline (IgA) erhält ein Neugeborenes über die Vormilch (das Kollostrum). Neugeborene können zunächst keine eigenen IgG bilden, und sind vorübergehend auf die Antikörper der Mutter angewiesen.

Bei Keuchhusten besteht kein Nestschutz. Die Masern-, Mumps-, Rötelnimpfung sollte aufgrund des Nestschutzes erst im Alter von elf bis 14 Monaten erfolgen. Eine frühere Impfung wäre wirkungslos, da eventuell vorhandene mütterliche Antikörper die Impfviren neutralisieren würden.

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Erstellt: 2007-01-01, 00:00 [Monday]
Geändert: 2010-04-10, 13:54 [Saturday]
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