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Komplementärmedizin

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2009-04-26, 13:02 [Sunday]

Siehe: ∴Alternativmedizin (Hauptartikel) | ∴Komplementärwissenschaft

Sammelbegriff für medizinische Verfahren und Arzneimittel, die ihre Wirksamkeit nicht in kontrollierten Studien bewiesen haben und auf spekulativen Theorien beruhen. Zu den bekanntesten in Deutschland gehören ∴Homöopathie, ∴Bachblütentherapie und ∴anthroposophische Medizin.

Verfahren der Komplementär- und Alternativmedizin werden von Ärzten, aber auch von ∴Heilpraktikern und anderen Gesundheitsdienstleistern angeboten. Die Ausbildungsstandards sind uneinheitlich. Für viele komplementärmedizinische Präparate sieht das Arzneimittelgesetz erleichterte Zulassungsbedingungen vor. Unter diese Sonderregelung fallen die Mittel der so genannten „besonderen Therapierichtungen“ anthroposophische Medizin, Homöopathie und Pflanzenheilkunde (Phytotherapie). Für ihre Zulassung zum Markt muß – anders als bei konventionellen Arzneimitteln – kein Wirksamkeitsnachweis erbracht werden.

Inge Hüsgen, Prof. Dr. Jürgen Windeler

Quelle:

GWUP

Komplementärwissenschaft

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2009-04-26, 12:52 [Sunday]

Vergleiche: ∴Wissenschaft | ∴Protowissenschaft | ∴Pseudowissenschaft | ∴Parawissenschaft

Komplementärwissenschaft (franz. complémentaire = ergänzend von lat. complementum) ist ein semantischer Täuschungsversuch auf ∴pseudowissenschaftlicher Basis, der eine Nähe eines Aussagesystems zur ∴Wissenschaft suggerieren soll und auf einer Verdrehung von Tatsachen beruht, da eine Ergänzung der Wissenschaft nur wiederum Wissenschaft sein kann.

Für eine Theorie gilt: sie ist entweder richtig oder falsch. Ist sie richtig, gehört sie zur Wissenschaft. Ist sie aber falsch, dann ist sie nicht komplementär sondern – falsch und kann daher nur als ∴Pseudowissenschaft oder ∴Parawissenschaft klassifiziert werden, aber zu keinem Zeitpunkt als Ergänzung zur Wissenschaft und damit als komplementär.

siehe auch:Komplementärmedizin

Diphtherie

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2009-04-19, 21:10 [Sunday]

FSME

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2009-04-19, 19:21 [Sunday]

Mondkalender

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2009-04-09, 20:45 [Thursday]

Mondkalender findet sich in vielen Kulturen. Eine Umsetzung in der Neuzeit wurde durch Österreicherin Johanna Paungger-Poppe, geb. 1954, vorgenommen. Mit ihrer Zuordnung alltäglicher Handlungen, vom Haareschneiden bis zum Zahnarztbesuch zu Mondphasen hat sie großen Erfolg bei wohlsituierten, der Esoterik[] zuneigenden Hausfrauen, da ihnen damit nicht nur das Denken, sondern auch das Handeln vorgegeben wird.

Von dem frühen Bauernwissen der ursprünglichen Mondkalender ist nichts mehr erhalten gewesen. Kritik erfährt der Mondkalender von Paunegger-Poppe nicht nur aus den Reihen der ∴Wissenschaften, sondern auch von Astrologen, welche postulieren, daß der Paungger/Thunsche Mondkalender sogar schädlich für die Landwirtschaft sei.

Mondkalender sind keine harmlosen, esoterischen Auswüchse. Paungger und Poppe propagieren ihre ∴pseudowissenschaftlichen Thesen u.a. auf ihrer Webseite:

Operationen zum richtigen Zeitpunkt

Hippokrates, Mentor aller Ärzte, wußte um die Kräfte des Mondes und belehrte seine Schüler unmißverständlich: “Wer Medizin betreibt, ohne den Nutzen der Bewegung der Sterne zu berücksichtigen, der ist ein Narr” und “Operiert nicht an jenem Teil des Körpers, der von dem Zeichen regiert wird, das der Mond gerade durchquert”. Alles, was man für das Wohlergehen jener Körperregion tut, die von dem Zeichen regiert wird, das der Mond gerade durchschreitet, ist wirksamer als an anderen Tagen. Alles, was die Körperregion, die von dem Zeichen regiert wird, das der Mond gerade durchschreitet, besonders belastet oder strapaziert, wirkt schädlicher als an anderen Tagen. Chirurgische Eingriffe in der jeweiligen Körperregion sollte man an diesen Tagen, wenn möglich, vermeiden.

Nimmt der Mond gerade zu, wenn er das jeweilige Zeichen durchläuft, sind alle Maßnahmen zur Zuführung aufbauender Stoffe für das von ihm regierte Organ erfolgreicher als bei abnehmendem Mond. Nimmt er gerade ab, sind alle Maßnahmen zum Entgiften und Entlasten des jeweiligen Organs erfolgreicher als bei zunehmendem Mond.

Eine der wichtigsten Regeln ist, chirurgische Eingriffe, wenn möglich, bei abnehmenden Mond vorzunehmen. Gerade bei jungen Menschen kommt es nach Unfällen oftmals zu schwierigen Operationen, oft Mehrfachoperationen. Das Wissen vom richtigen Zeitpunkt kann hier viel Gutes bewirken. Heilungsphasen sind verkürzt, unschöne Narbenbildung ist verringert oder bleibt aus.

Übersicht der Divergenzen des “wahren” astrologischen Kalenders und des Paunggerschen Mondkalenders

Links

Protowissenschaft

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2009-04-03, 14:16 [Friday]

Vergleiche: ∴Wissenschaft | ∴Protowissenschaft | ∴Pseudowissenschaft | ∴Parawissenschaft

Der Begriff Protowissenschaft bezieht sich auf historisch belegte, philosophische Disziplinen, welche bereits vor der Entwicklung einer wissenschaftlichen Methodik existierten. Solch protowissenschaftlichen Aussagesysteme reiften erst durch die Einführung von prüf- und nachvollziehbaren Methoden zu einer ∴Wissenschaft. Als Standardbeispiel für Protowissenschaften gelten heute Alchemie, aus der sich der Fachbereich Chemie entwickelte, als auch die Astrologie, welche als Basis für die daraus erwachsende Astronomie fungierte.

Unter Bezugnahme auf eine teleologische Erweiterung dieser Definition läßt sich folgern, daß man mit dem Begriff jedweden Standpunkt oder jedwede Theorie beschreiben kann, zu welcher die Überprüfung der vertretenen Aussagen auf Basis wissenschaftlicher Methodik noch aussteht.

Obwohl Protowissenschaften möglicherweise viele Eigenschaften mit ∴Pseudowissenschaften teilen, besitzen sie das Potential, sich zu wissenschaftlich anerkannten Theorien zu entwickeln. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, daß die Postulationen einer solchen sich entwickelnden Lehre nicht über das Stadium einer ∴Pseudowissenschaft hinausgehen.

Geschichtliche Entwicklung

Der Begriff wurde 1970 vom Wissenschaftshistoriker Thomas Samuel Kuhn (1922-1996) erstmals in seinem Essay ‘Criticism and the growth of knowledge’ verwendet:

In any case, there are many fields — I shall call them proto-sciences — in which practice does generate testable conclusions but which nevertheless resemble philosophy and the arts rather than the established sciences in their developmental patterns. I think, for example, of fields like chemistry and electricity before the mid-eighteenth century, of the study of heredity and phylogeny before the mid-nineteenth, or of many of the social sciences today. In these fields, too, though they satisfy Sir Karl’s [ Popper's] demarcation criterion, incessant criticism and continual striving for a fresh start are primary forces, and need to be. No more than in philosophy and the arts, however, do they result in clear-cut progress. I conclude, in short, that the proto-sciences, like the arts and philosophy, lack some element which, in the mature sciences, permits the more obvious forms of progress. It is not, however, anything that a methodological prescription can provide. Unlike my present critics, Lakatos at this point included, I claim no therapy to assist the transformation of a proto-science to a science, nor do I suppose anything of this sort is to be had.
– Thomas S. Kuhn (1970)

Wissenschaft

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2009-04-03, 14:16 [Friday]

Vergleiche: ∴Wissenschaft | ∴Protowissenschaft | ∴Pseudowissenschaft | ∴Parawissenschaft

Wissenschaft ist die Erweiterung des Wissens durch Forschung, seine Weitergabe durch Lehre, der gesellschaftliche, historische und institutionelle Rahmen, in dem dies organisiert betrieben wird, sowie die Gesamtheit des so erworbenen menschlichen Wissens. Forschung ist die methodische Suche nach neuen Erkenntnissen sowie deren systematische Dokumentation und Veröffentlichung in Form von wissenschaftlichen Arbeiten. Lehre ist die Weitergabe der Grundlagen des wissenschaftlichen Forschens und die Vermittlung eines Überblicks über das Wissen eines Forschungsfelds, den aktuellen Stand der Forschung.

Übersicht

Übersicht der Wissenschaftszweige
Übersicht der Wissenschaftszweige

Pseudowissenschaft

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2009-04-03, 14:15 [Friday]

Vergleiche: ∴Wissenschaft | ∴Protowissenschaft | ∴Pseudowissenschaft | ∴Parawissenschaft

Als Pseudowissenschaften (griech. ψεύδω, pseudo, „ich täusche vor“) bezeichnet man Theorien und Lehren, die sich durch an ∴Wissenschaft erinnernde Methodik und Sprachgebrauch einen wissenschaftlichen Anschein erwecken ohne jedoch den hohen Standard der Wissenschaftlichkeit zu erfüllen. Insbesondere immunisieren sich Pseudowissenschaften meistens gegen ihre Widerlegung, indem sie die verwendeten Begriffe nicht eindeutig definieren und sich nicht auf falsifizierbare Vorhersagen festlegen lassen. Der Begriff der Pseudowissenschaft bezieht sich auf Ansichten von Thomas Huxley und Karl Popper, wurde jedoch bereits im frühen 19. Jahrhundert gelegentlich verwendet.

Es gibt eine Vielzahl von Kriterien, nach der Pseudowissenschaft von ∴Wissenschaft abgegrenzt werden kann. Allgemein kann jede Abweichung von einer Grundlage des wissenschaftlichen Vorgehens ein Hinweis auf Pseudowissenschaft sein. Hierbei ist die Unterscheidung zwischen schlechter oder betrügerischer Forschung innerhalb der ∴Wissenschaft einerseits und pseudowissenschaftlichem Vorgehen andererseits oft problematisch. Jedoch zeichnet sich Pseudowissenschaft fast immer dadurch aus, daß sie speziell dazu dient, ein fertiges Gedankengebäude zu stützen. Außerdem widersprechen pseudowissenschaftliche Ergebnisse meist erfahrungswissenschaftlichen Theorien, während bei Betrugsfällen innerhalb der etablierten ∴Wissenschaft meist versucht wird, die Ergebnisse in bestehende Theorien einzugliedern.

Das Theoriengebäude einer Pseudowissenschaft geht oft auf eine einzelne Person zurück, deren Autorität nicht in Frage gestellt werden darf. Die ursprünglichen Aussagen des Urhebers werden dogmatisch vertreten und sowohl die theoretischen Erklärungsansätze als auch eventuelle experimentelle Versuchsreihen werden stets im Sinne des ursprünglichen Dogmas gedeutet.

Pseudowissenschaften verwenden oft Experimente, bei denen aus dem statistischen Rauschen Daten genommen werden, aus denen dann durch geschickte Auswahl und Manipulation Effekte vorgetäuscht werden. Auch findet hierbei gerne die Anwendung des umgekehrten Ockham Rasiermessers, das heißt komplexen oder abwegigen Hypothesen werden einem hypothesensparsamen Vorgehen vorgezogen.

Typisch für eine Pseudowissenschaft ist, daß sie keine Methode kennt, Fehler eigener Beobachtungen oder Schlüsse aufzuspüren, ganz davon zu schweigen, sie überhaupt zu korrigieren. Viele Esoteriker[] suchen hingegen nach einem Ersatz oder einer Ergänzung für ∴Wissenschaft und erscheinen letzendlich als Kämpfer gegen die ∴Wissenschaft. Wissenschaftliche Scherze sowie wissenschaftlicher Betrug fallen nicht unter den Begriff Pseudowissenschaft.

Merkmale

  • Behauptungen, die sich weder experimentell erhärten noch mathematisch ableiten lassen
  • Behauptungen, die im Widerspruch zu Experimenten, zu mathematischen Theorien oder nicht allzu selten zum “gesunden Menschenverstand” stehen
  • Angabe von Quellen, die sich nicht nachvollziehen und damit nicht nachprüfen lassen
  • Experimente, die sich nicht reproduzieren lassen
  • Kontrovers zu Ockhams Rasiermesser
  • Systematische Unterdrückung oder selektive Auswahl von bestimmten Beobachtungen bzw. Daten und Quellen

Die sieben Sünden nach Kämpfer

  • Mangel an ordentlicher Beweiskraft
    Den Anschein ordentlicher Wissenschaftlichkeit erhält eine Pseudowissenschaft dadurch, daß der Pseudowissenschaftler auf verläßliche Erkenntnis, gewonnen durch verläßliche Methoden, verweist, obwohl dies keineswegs verwirklicht wird. Mit diesem Mangel an einer fundierten Untermauerung der Theorie bleibt diese aber ∴Spekulation.
  • Unbegründete Immunisierungen
    Eine Theorie wird gegenüber einer Kritik immunisiert, wenn kritische Argumente mehr oder weniger aufwendig, aber ohne ausreichende Begründung, abgewiesen werden, während man die eigene Auffassung stützende Argumente gezielt fördert.
  • Urverlockung der spektakulären Übereinstimmung
    Hierbei handelt es sich um den methodologischen Fehler, einer spektakulären Übereinstimmung mit der Theorie rein gefühlsbedingt eine größere Bedeutung zuzumessen als ihr möglicherweise zukommt. Koinzidenzen bilden zwar den Kern vieler wissenschaftlicher Theorien, weil sie ein Indiz für die Nicht-Zufälligkeit der Ereignisse darstellen.
  • Magische Methoden
    Zusätzlich zu anerkannten wissenschaftlichen Methoden findet sich bei Pseudowissenschaftlern oft eine besondere Methode, die die benötigten Daten liefert. In verblüffender Einfachheit, bis dato unentdeckt von anderen Wissenschaftlern, werden die Ergebnisse gewonnen.
  • Einsicht des Eingeweihten
    Gerade wegen der magisch anmutenden Einfachheit der Methode wäre ein leichtes Verständnis ihrer Inhalte zu erwarten. Tatsächlich findet es sich jedoch, daß offenbar nur ein Kreis besonders Eingeweihter dazu in der Lage ist, diese Methode durchzuführen. Nur er kann die Wahrheit erkennen. Dieser Anspruch kann auf zwei Arten verstanden werden. Einmal bedeutet ein Nicht-Eingeweiht-Sein einen Mangel an Wissen und Übung. Das muß nicht weiter schlimm sein. Jede Wissenschaft bzw. wissenschaftliche Methodik muß schließlich erst erlernt werden. Die zweite Art des Verständnisses ist diejenige, die im Fall des Pseudowissenschaftlers zum Tragen kommt. Hier geht es nämlich darum, daß nur derjenige in den Kreis der Eingeweihten vorstoßen kann, der z.B. alte Vorurteile oder Neurosen ablegt. Erst dann gelangt er auf eine Erkenntnisstufe, die ihm die echte, die eigentliche Wahrnehmung der Sachverhalte ermöglicht.
  • Die alles erklärende Theorie
    Weiche Bewertungskriterien einer Theorie führen dazu, daß schier unendliche Erklärungsmöglichkeiten offen stehen. Die uneingeschränkte Erklärungskraft einer Theorie kommt nach Popper jedoch der Unfalsifizierbarkeit gleich. Denn mögliche falsifizierende Aussagen können sofort wegerklärt werden, die Theorie wird unangreifbar.
  • Unkritischer und übertriebener Anspruch
    Der übertriebene Anspruch kann in zwei Kategorien unterteilt werden. Einmal wird eine größere Verläßlichkeit der Theorie vorgetäuscht als es die Faktenlage zuläßt. Zum anderen wird ihr ein wichtigerer Status zugemessen als ihr in Relation zu anderen Theorien zukommt.
  • Parawissenschaft

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    2009-04-03, 13:47 [Friday]

    Vergleiche: ∴Wissenschaft | ∴Protowissenschaft | ∴Pseudowissenschaft | ∴Parawissenschaft

    Eine Parawissenschaft (griech. παρά, para-, “neben”) ist ein außerhalb der ∴Wissenschaften (jedoch durchaus auch innerhalb des Universitätsbetriebes) angesiedelter Erkenntnisbereich, dessen Theorie und Praxis weitgehend auf illusionärem Denken beruhen. Damit kann der Anspruch eines solchen Erkenntnisunternehmens, verläßliches Wissen über Welt oder Mensch zu erlangen oder erlangt zu haben, nicht eingelöst werden. Demgegenüber können andere nichtwissenschaftliche Erkenntnisbereiche, wie etwa die Alltagserkenntnis, durchaus verläßliches Wissen produzieren.

    Wird neben dem einfachen Erkenntnisanspruch auch der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhoben, bezeichnet man eine Parawissenschaft als ∴Pseudowissenschaft. Das in den 1980er Jahren im deutschen Sprachraum etablierte Paradigma gestattet, den Begriff ‘∴Pseudowissenschaft’ auf seine engere Bedeutung zu beschränken.

    Literatur

    • Mahner, M. (2007): Demarcating Science from Non-Science. In: T.A.F. Kuipers (Hg.) General Philosophy of Science – Focal Issues. (Bd. 1, Handbook of the Philosophy of Science), S. 515-575. North Holland: Amsterdam.

    Aberglaube

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    2009-04-03, 12:36 [Friday]

    Der Begriff Aberglaube wird je nach Zusammenhang in verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Umgangssprachlich bezeichnet er den Glauben an wissenschaftlich nicht nachweisbare, magische Kräfte, die auf den Menschen wirken. Abergläubische Vorstellungen beziehen sich oft auf Vorzeichen oder auf Rituale zur Abwendung von Unglück (“Klopf auf Holz”). Einer Umfrage des Institut für Demoskopie Allensbach zufolge fand der irrrationaler Glaube an gute und schlechte Vorzeichen in Deutschland im Jahre 2005 weitere Verbreitung als noch 1973. So sahen beispielsweise 42 Prozent der Befragten in einem vierblättrigen Kleeblatt einen Glücksbringer; 1973 waren es nur 26 Prozent. Eine Sternschnuppe am Nachthimmel ist für 40 Prozent lebensbedeutsam (vgl. 1973: 22 Prozent). 36 Prozent betrachten die Begegnung mit einem Schornsteinfeger als Glück verheißendes Omen (vgl. 1973: 23 Prozent).

    Etymologie

    Die Bezeichnung abergloube läßt sich seit dem 13. Jahrhundert belegen. Der Wortbestandteil “aber-” bedeutete ursprünglich nach Auffassung heutiger etymologischer Wörterbücher “nach, wieder, hinter”, wobei später als negative Konnotation die Bedeutung “geringschätzend, abwertend” hinzukam und damit das Gegenteil der Bedeutung des darauffolgenden Wortbestandteils zum Ausdruck brachte, vgl. “Aberwitz”.

    Geschichte

    Als Begriff erscheint Aberglaube in der christlichen Religion gegen Ende des Mittelalters (7. – 15. Jahrhundert). Die Bekehrung der Heiden war in Europa zu diesem Zeitpunkt aus christlicher Sicht ein voller Marketingerfolg – nicht zuletzt aufgrund der durch Papst Gregorius Magnus sanktionierten Integration heidnischer Bräuche im Rahmen einer christliche Neuinterpretation.

    Jegliche Positionierung jenseits der Lehren der Kirche wurde durch die Stigmatisierung Aberglaube strikt von diesen getrennt. Diese Ausgrenzung betraf nicht nur die ursprünglichen heidnischen Glaubensrichtungen, sondern auch abweichende Auffassungen der christlichen Religion sowie die sich entwickelnden naturwissenschaftlichen Lehren.

    Charakteristik

    Die Entstehung von Aberglauben basiert auf einer fehlerhaften Zuordnung von Ursache und Wirkung. Fehlverwendung wissenschaftlicher Methodik ist eine der häufigsten Arten des nicht-religiösen Aberglaubens. Einen Grenzbereich stellt überliefertes Handlungswissen dar, für das sich bislang keine Erklärung finden läßt, welches sich aber als unumstößliches Faktum für die daran Glaubenden darstellt (∴Parawissenschaft).

    Ein Hintergrund vieler weltlicher Formen von Aberglauben ist der sogenannte Volksglauben, wobei hier die Grenze zwischen Fehlverwendung und mangelnder Informationslage nur schwer zu ziehen ist – etwa bei den sogenannten Bauernregeln, mit denen zum Teil Erfahrungswerte aus Haushalt und Landwirtschaft vermittelt werden, zum Teil jedoch auch Wettervorhersagen betrieben werden.

    Entwicklung

    In der jüngeren Volkskunde wird der Begriff Aberglaube wegen seiner abwertenden Konnotation vermieden. Die moderne Volkskunde hat eine herabsetzend-wertende Betrachtung des Aberglaubens ebenso überwunden wie die Verklärung superstitiöser Alltagspraktiken als Relikte germanisch-heidnischer Mythologie. In objektiverender Perspektive werden unter Aberglauben heute alle Formen der Zauberei, der Magie und des Wahrsagens begriffen. Studien mit historischer Langzeitperspektive haben zudem gezeigt, wie sehr volksläufige Aberglaubenspraktiken von gelehrten, oberschichtlichen Magiekonzepten der Antike und der Frühen Neuzeit abhängen.

    Die aktuelle Forschung betont zudem die Verbreitung von Aberglauben durch Medien, etwa populäre Zauberbücher, Fernsehsendungen oder das Internet. Damit erweist sich Aberglaube nicht als Gegensatz zu einer aufgeklärten, technisch-rationalen Moderne, sondern als deren Nutznießer und Begleiter (Bachter 2005). Aberglaube kann, so der Ansatz von GWUP-Wissenschaftsrat und Volkskundler Dr. Stephan Bachter[], auch als trivialisiertes (d. h. für recht banale Alltagszwecke eingesetztes), fragmentiertes (d. h. aus komplexen philosophischen und wissenschaftlichen Zusammenhängen herausgelöstes) und popularisiertes (d. h. über alle Medien, Buchdruck, Fernsehen und Internet verbreitetes) Wissen definiert werden.

    Zitate

    • Der Aberglaub’, in dem wir aufgewachsen, verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum seine Macht nicht über uns. – Gotthold Ephraim Lessing, Nathan der Weise
    • Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens. – Goethe, Maximen und Reflexionen
    • Der Aberglaube ist ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit. – Friedrich der Große
    • Der Aberglaube macht die Gottheit zum Götzen, und der Götzendiener ist um so gefährlicher, weil er ein Schwärmer ist. – J. G. Herder, Palmblätter
    • Der Aberglaube traut den Sinnen bald zuviel, bald zu wenig. – Gotthold Ephraim Lessing, Theologische Streitschriften, Das Testament Johannis
    • Der Aberglauben schlimmster ist, den seinen für den erträglicheren halten. – Gotthold Ephraim Lessing, Nathan der Weise
    • Ein jeder Aberglaube versetzt uns in das Heidentum. – Justus von Liebig, Chemische Briefe
    • Stets liegt, wo das Banner der Wahrheit wallt, der Aberglaube im Hinterhalt. – August von Platen, Die neuen Propheten

    Literatur

    • Doering-Manteuffel, S. (2008): Das Okkulte. Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung. Von Gutenberg bis zum World Wide Web. Siedler, München 2008.
    • Groschwitz, H.(2008):: Mondzeiten. Zu Genese und Praxis moderner Mondkalender. Münster 2008 (Regensburger Schriften zur Volkskunde/Vergleichenden Kulturwissenschaft 18).
    • Harmening, D. (1979): Superstitio. Überlieferungs- und theoriegeschichtliche Untersuchungen zur kirchlich-theologischen Aberglaubensliteratur des Mittelalters. Berlin 1979.