… Zuckerkügelchen und Hokuspokus für Indien …

'Seit über 200 Jahren erweist sich die Homöopathie als verblüffend erfolgreich bei der Behandlung von chronischen und allergischen Krankheiten wie Rheuma, Migräne, Asthma oder Hautproblemen.' - meint das Goethe-Institut, Neu Delhi
Natürlich wäre es begrüßenswert, wenn das Auswärtige Amt, welches im Großen und Ganzen in enger Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut steht, etwas auf die Außenwirkung seiner Kulturträger achtete und darauf Einfluß nimmt, daß wissenschaftlich nicht haltbarem Hokuspokus in medizinischem Gewand keine Werbeplattform gegeben wird, doch das wäre wohl zuviel verlangt. Unter den Politikern vieler Parteien erfreuen sich unwirksame Therapieangebote der Alternativmedizin bedauerlicherweise allzu großer Beliebtheit. Leider sind offensichtlich unter den Mitarbeitern und Entscheidungsträgern des Goethe-Institutes keine, die scienceblogs.de unter ihren Lesezeichen gesichert haben (und auch gelegentlich einen Blick reinwerfen). Sonst wären ihnen nämlich nicht die vielen Beiträge entgangen, die sich mit der fehlenden Wirksamkeit der ∴Homöopathie auseinandersetzen.
Daß es sich bei den Mitarbeitern um ausgesprochene, medizinische Laien handelt muß, erschließt sich aus der Ankündigungsmitteilung zur Ausstellung über die Homöopathie anläßlich des 255. Geburtstages ∴Hahnemanns. Anstelle aufklärend zu wirken und die Rationalisten Indiens zu unterstützen, welche sich bemühen, ihre Mitmenschen über Scharlatanerie, Gurus und medizinischen Hokuspokus wie die Homöopathie aufzuklären, bewirbt das Kulturinstitut diese Methode in einem Land, in dem die meisten keine ausreichende medizinische Versorgung in Anspruch nehmen können; einem Land, in dem Eltern ihre Kinder zu heiligen Männern bringen, damit diese auf ihnen herumtrampeln, um sie mit der göttlichen Kraft ihrer Füße zu segnen. Obwohl Indien und Pakistan “die geographischen Zentren der Homöopathie” in Südasien sind und diese dort alsbald von “einheimischen Ärzten und Amateurheilpraktikern” mit Interesse angenommen wurde, da Konzepte der Homöopathie “leicht mit traditionellen indischen Heilmethoden kombiniert werden konnten”, sieht sich das Goethe-Institut nicht seiner Bildungsaufgabe verpflichtet, über die Unwirksamkeit und Unwissenschaftlichkeit der Homöopathie aufzuklären.


