1999-03-26, 00:00 [Friday]
… in Abweichung von den Empfehlungen der STIKO …
Ein am 2.1.1998 in Deutschland geborenes Kind einer aus dem Libanon stammenden Familie (Asylbewerber) erkrankte am 19. September 1998 akut mit Fieber (bis 39 °C), einem Racheninfekt und Schnupfen. Eine schlaffe Lähmung des rechten Beines, die am 22.9. auftrat, führte nach der Vorstellung in der Rettungsstelle am 23.9. zur Einweisung die Kinderabteilung des örtlichen Krankenhauses. Bei der Aufnahme befand sich das rechte Bein in Abduktionsstellung und war ohne eigene Beweglichkeit.
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Tags: Gesundheit, Impfen, Impfschaden, Kinderlähmung, Poliomyelitis, VAPP
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1998-07-03, 00:00 [Friday]
… weil die Notwendigkeit der Impfberatung unterschätzt wird …
Ein 58jähriger Mann aus Unterfranken bemerkte Ende April 1998 eine zunehmende Bewegungsschwäche und Schmerzen im Bereich der unteren Extremität. Drei Tage nach dem Auftreten der ersten Erscheinungen suchte er einen Arzt auf, am 5. Krankheitstag hatte sich eine proximale schlaffe Lähmung entwickelt, so daß z. B. ein Aufstehen aus der Hocke nicht mehr möglich war. Unter der Diagnose einer ›Parese‹ (der Verdacht auf eine Poliomyelitis wurde zunächst nicht geäußert) wurde er zu diesem Zeitpunkt zunächst in ein allgemeines Krankenhaus eingewiesen, dann zwei Tage später in ein Fachkrankenhaus verlegt.
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Tags: Impfen, Impfschaden, Kinderlähmung, OPV, Poliomyelitis, RKI, VAPP
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1973-11-05, 09:40 [Monday]
… Eine schon überwunden geglaubte Krankheit breitet sich in den westlichen Industrieländern wieder aus: die Kinderlähmung …
Hinten, weit in der Türkei, wo Jahr für Jahr mehr als 2.000 Kinder an der tückischen Lähmung erkranken, war Nebil Kürzü* angesteckt worden. In Gelsenkirchen kam er ins Krankenhaus. Die Diagnose bot keine Schwierigkeiten: Kinderlähmung (Poliomyelitis). Das einjährige Gastarbeiterkind kann seine Glieder nicht mehr bewegen. Ob es je laufen lernt, ist noch ungewiß.
Nebil ist das sechzehnte Opfer, das die Polio im volkreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen bislang in diesem Jahr forderte. Es soll, geht es nach dem “Ausschuß Seuchenhygiene der leitenden Medizinalbeamten”, womöglich das letzte sein: Am 12. November beginnt in der ganzen Bundesrepublik eine koordinierte Schluckimpfungsaktion. Ihr Ziel: die in den letzten Jahren entstandenen gefährlichen “Polio-Impflücken” wieder zu schließen.
Durch diese Lücken drängt immer häufiger ein Krankheitskeim, den die Seuchenärzte so fürchten wie sonst nur die Erreger von Pocken. Pest und Cholera: das Poliomyelitis-Virus.
Wer an Polio erkrankt, ist meist lebenslang durch verkümmerte Muskeln oder Lähmungen gehandikapt. In schweren Fällen bleiben die Patienten für immer an Krücken oder den Rollstuhl gefesselt (wie einst Franklin Delano Roosevelt) oder gar — bei Versagen ihres Atemzentrums — auf die “Eiserne Lunge” angewiesen, einen “Sarg aus Glas und Stahl”. wie ein Betroffener das künstliche Beatmungsgerät einmal nannte.
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Tags: DDR, Edith Seeber, Eiserne Lunge, Impfmüdigkeit, Kinderlähmung, OPV, Poliomyelitis, Schluckimpfung, Werner Figgen
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1965-06-16, 08:33 [Wednesday]
… warum die neue Schutzimpfung so wichtig ist …
“Die meisten Eltern”, klagt die amerikanische Gesundheitsbehörde, “glauben noch immer, daß die Krankheit, nicht besonders ernst zu nehmen sei und daß sie einfach dazugehöre, wenn Kinder groß werden – wie schmutzige Finger oder aufgeschlagene Knie.” Beide Ansichten indes seien falsch: Masern, die häufigste und ansteckendste Kinderkrankheit, sind nicht harmlos, und sie sind nicht länger unausweichlich.
Erst während der letzten Jahre haben umfängliche britische und amerikanische Studien aufgedeckt, daß bei der fiebrigen Kinderkrankheit, wie jüngst das Fachblatt “British Medical Journal” berichtete, “ernste Komplikationen weit häufiger sind, als allgemein angenommen wird”.
Mitunter kann die als gefahrlos verkannte Krankheit sogar zum Tode führen. Allein in der Bundesrepublik starben, wie unlängst der Frankfurter Medizin-Professor Otto Bonin ermittelte, von 1952 bis 1959 alljährlich im Durchschnitt 160 Kinder und Jugendliche an Masern — ebenso viele, wie damals (also noch vor Beginn der Reihen-Impfungen gegen diese Krankheit) an Kinderlähmung (Polio) starben.
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Tags: Anton J. F. Schwarz, Gisela Enders-Ruckle, Impfstoff, John Franklin Enders, Kinderlähmung, Masern, Poliomyelitis, Quintovirelon
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1961-08-16, 08:01 [Wednesday]
… worüber offen nicht gesprochen wird …
Problemzone Weihwasser
Aufmerksam studierte der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamts, Professor Heinz Baron, die Polio-Statistik. 106 Kinderlähmungsfälle waren ihm bis Ende Juli gemeldet worden, elf davon mit tödlichem Ausgang. Dabei irritierte den Gesundheitshüter, daß sich die Polio-Viren offensichtlich nicht an den konfessionellen Proporz in Düsseldorf hielten, sondern weit mehr Katholiken attackierten als Protestanten. Den Infektionsherd hatte Baron bald entdeckt – es war der Kindergarten der katholischen Herz-Jesu-Pfarre in dem dichtbevölkerten Stadtteil Derendorf. Aus diesem Bezirk kamen allein 33 der insgesamt 106 Polio-Erkrankten. Von den elf Todesfällen entfielen sogar sieben auf Derendorf.
Professor Baron folgerte, daß möglicherweise ein katholisches Ritual die Übertragung der gefürchteten Poliomyelitis begünstige. Auf der Suche nach einem Infektionsträger keimte in dem Stadtmedikus der Verdacht auf, daß die Viren durch das Weihwasser aus der Derendorfer Herz-Jesu-Kirche weitergetragen worden waren.
Sakrale Scheu hielt den Professor jedoch davon ab, seinen Verdacht durch eine bakteriologische Untersuchung des Weihwassers zu untermauern: “Ich halte das für einen nicht vertretbaren Eingriff in kirchliche Hoheitsrechte.”
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Tags: Heinz Baron, Kinderlähmung, kirchliche Hoheitsrechte, Poliomyelitis, Viren
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1961-07-19, 07:47 [Wednesday]
… Angebot der DDR an die BRD zur Lieferung von Polio-Impfstoff …
Das Telegramm war “an die Regierung der Bundesrepublik zu Händen des Bundeskanzlers Herrn Dr. Adenauer, Bonn” adressiert, als Absender zeichnete der DDR-Minister Willi Stoph. “Mit Erschütterung hat die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik erfahren”, kondolierte Stoph Ende vergangenen Monats, “daß in Nordrhein-Westfalen mehr als 650 Personen an spinaler Kinderlähmung erkrankt und daß bereits 42 Todesopfer zu beklagen sind.”
Das Schreiben mündete in das Angebot, “sofort drei Millionen Einheiten des Impfstoffes von Sabin-Tschumakow zu liefern”, eine Menge, die ausreiche, in den am stärksten bedrohten Gebieten alle Kinder bis zu 14 Jahren zu schützen. “Da es sich um eine Schluck -Impfung handelt”, erläuterte Stoph, “läßt sich die Rettungsaktion schnell und unkompliziert durchführen.”
Am Freitag vorletzter Woche erlösten Wissenschaftler und Medizinalbeamte die Bundesregierung von dem Alpdruck, das selbstbewußte Angebot (Stoph: “Wir sind frei von der gefährlichen Seuche”) nicht mit guten Gründen ausschlagen zu können. Der (unabhängige) Bundesgesundheitsrat empfahl nach einer Sitzung in Königswinter aus grundsätzlichen Erwägungen Zurückhaltung gegenüber Polio-Impfstoffen, die – wie der aus dem Osten angebotene – nicht gespritzt, sondern einfach geschluckt werden. Die Wirkungsweise des neuen Impfstoffs, so verlautbarten die Gesundheitshüter, sei noch nicht genügend geprüft worden.
Anlaß der Debatte im Gesundheitsrat war freilich weniger das DDR-Angebot als vielmehr der Wunsch der nordrhein-westfälischen Gesundheitsbehörden, eine Aktion mit Schluck-Impfstoff amerikanischer Herkunft durchzuführen. Zwar waren nicht — wie Stoph geschrieben hatte — 650 Personen an spinaler Kinderlähmung (Poliomyelitis) erkrankt, aber immerhin weit über 400, so daß zahlreiche Schulen, Kindergärten und Freibäder geschlossen werden mußten. 20 Kinder waren gestorben.
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Tags: BRD, Cox, DDR, Epidemie, Kinderlähmung, OPV, Poliomyelitis, Sabin, Salk, Schluckimpfung, Tschumakow, Willi Stoph
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1960-08-31, 07:33 [Wednesday]
… als Riegelungsimpfung in eine Epidemie hinein …
Mit einiger Sorge sehen der Westberliner Senator für das Gesundheitswesen, Dr. Hans Schmiljan, und der Seuchenreferent des Landesgesundheitsamts Berlin, Dr. med. Helmuth Kochs, dem Ausgang einer Untersuchung entgegen, mit der eine Kommission Westberliner Ärzte und Institutsleiter zur Zeit befaßt ist.
Das Mediziner-Gremium prüft, ob die Gesundheitsverwaltung von Westberlin einen bislang in Deutschland nicht erprobten Impfstoff gegen Kinderlähmung ohne genügende Sorgfalt angewendet hat und ob etwa die 50 Fälle von spinaler Kinderlähmung (Poliomyelitis), die in diesem Sommer in Westberlin registriert wurden, auf den leichtfertigen Einsatz des Impfstoffs zurückgeführt werden müssen.
Westberlin, für Spenden besonders aufgeschlossen, empfing aus den Vereinigten Staaten kostenlos 18 Zentner eines Polio-Impfstoffs, den der amerikanische Wissenschaftler Harold R. Cox in den vergangenen Jahren entwickelt und in Nord- und Südamerika erfolgreich angewendet hatte.
Gegen die Kinderlähmung, die augenblicklich in Westdeutschland grassiert*, wurden bisher hauptsächlich, zwei Abwehrmittel eingesetzt:
in der westlichen Welt der Impfstoff des Amerikaners Salk, der aus abgetöteten Polio-Viren gewonnen und zur Immunisierung in kurzen Abständen zwei- oder dreimal eingeimpft wird;
in der Sowjet-Union und fast allen östlichen Staaten die Vakzine des Russen Sabin, ein aus geschwächten Polio-Erregern extrahierter Impfstoff, der in Tablettenform verabreicht wird.
Die Cox-Spende als drittes Immunisierungsmittel kam Westberlin sehr gelegen, waren doch im Frühjahr 1960 an alle Ostberliner Kinder und Jugendliche Sabin-Tabletten ausgegeben worden, und die Gesundheitsverwaltung Westberlins glaubte daraufhin, nun auch in ihrem Bereich Schutzmaßnahmen treffen zu müssen.
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Tags: Cox, Epidemie, Hans Schmiljan, Kinderlähmung, PEI, Poliomyelitis, RKI, Sabin, Salk, Serum, Sterbefälle, Viren
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1948-12-11, 11:03 [Saturday]
… alte Theorien über die Entstehung der Kinderlähmung erwiesen sich als falsch …
In der jahrelangen Vernichtungsschlacht gegen den Erreger der Spinalen Kinderlähmung meldeten amerikanische und schwedische Aerzte den ersten großen Erfolg. Sie haben ihren Gegner, einen kleinen, fadenförmigen Virus, mit Hilfe des Elektronenmikroskops entdeckt, fotografiert und ihn auf dem Wege durch den Körper eines Rhesus-Affen verfolgt. Er ist 1/20- bis 1/30millionstel Millimeter groß und marschiert mit einer Marschgeschwindigkeit von 2,4 mm pro Stunde auch durch die dicksten Porzellangefäße. 30 Jahre lang wurde vermutet, daß die Infektion als Tröpfchenübertragung im Nasen- und Rachenraum erfolge. Die letzten Versuche ergaben, daß sie über die Lymphwege in die ferner gelegenen Nerven eindringt und dann das Zentralnervensystem befällt. (Allein in Bayern erkrankten 1948 etwa 1800 Personen an Spinaler Kinderlähmung. Davon sind 127 gestorben.)
Quelle:
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1948-10-09, 10:45 [Saturday]
… Erkrankung mit Todesfolge …
Georg Kulenkampff, einer der größten deutschen Geiger, starb 51jährig an Kinderlähmung in der Schweiz wo er seit 1945 als Lehrer am Konservatorium Zürich wirkte. Drei Tage vor seinem Tod noch war Kulenkampff mit hohem Fieber in einem Konzert in Schaffhausen aufgetreten.
Quelle:
Tags: Georg Kulenkampff, Kinderlähmung
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1948-01-24, 12:22 [Saturday]
Dr. Frank Gollan, ein tschechischer Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten, verkündete, daß er den Erreger der Kinderlähmung künstlich gezüchtet habe. Die Herstellung des Impfstoffes sei nunmehr nur noch eine technische Angelegenheit. Im Sommer werde es schon das neue Serum geben. Gollan leidet noch unter den Folgen der Kinderlähmung, die er sich in seiner Jugend zuzog.
Quelle:
Tags: Frank Gollan, Kinderlähmung, Poliomyelitis
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