Impfen schützt – Impfen nützt – Allen!

 

Grippe auf Abwegen

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2009-09-03, 20:48 [Thursday]

… ein Virus ist auf’s Schwein gekommen …

... Namensgeber für H1N1
... Namensgeber für H1N1

Seit der ersten medialen Coverage über die Todesfälle im fernen Mexiko, für welche als Auslöser ein neuartiges Influenzavirus verantwortlich gemacht wurde, gibt es unterschiedliche Auffassungen über die Gefahr, die vom neuen Typ des H1N1 ausgeht. In der Mediensprache heißt diese möglicherweise pandemiefähige Influenza “Schweinegrippe”.

Die Symptome der neuen Grippe unterscheiden sich nicht von denen der saisonalen Influenza. Die Erkrankung geht mit Fieber, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen einher. Bisher sind Todesfälle vor allem auf dem amerikanischen Kontinent aufgetreten. Innerhalb der Europäischen Union wurden bislang mehr als 90 Todesfälle registriert, hauptsächlich betroffen ist Großbritannien. Deutschland konnte bisland nur einige schwere Krankheitsverläufe verzeichnen, jedoch sind Todesfälle nicht auszuschließen. Nach Angaben der WHO sind viele, aber nicht alle schweren Fälle bei Menschen mit Grunderkrankungen aufgetreten.

In Deutschland sind zum jetzigen Zeitpunkt seit Ende April 2009 insgesamt 16.835 Fälle verzeichnet worden, davon wurden ca. 4.300 als autochthon eingestuft (Erkrankung in Deutschland erworben).

Für den Impfstoff zum Schutz vor der Neuen Grippe, wurde das H1N1-Virus zunächst aus einem Patienten in Hamburg isoliert. Mit diesem “Wildtyp” begann die Entwicklung des Impfstoffes. Für die Saatvirusgewinnung benötigt man jedoch ein sogenanntes “rekombinantes” Virus, d.h. man schleust die charakteristischen Hüllproteine in einen weit weniger virulenten und gut charakterisierten Influenza-Stamm ein. Man braucht ja sowieso nur die Typen des Hämagglutinin (HA) und der Neuraminidase (NA), von denen es jeweils 8 bzw. 15 bekannte Subtypen gibt. Das A/California/4/2009 (H1N1) ist eben einfach ein Virus aus diesem untereinander genetisch verwandten “Virusbaukasten”, nicht mehr und nicht weniger.

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Weihwasser als Seuchenherd

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1961-08-16, 08:01 [Wednesday]

… worüber offen nicht gesprochen wird …

Problemzone Weihwasser
Problemzone Weihwasser
Aufmerksam studierte der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamts, Professor Heinz Baron, die Polio-Statistik. 106 Kinderlähmungsfälle waren ihm bis Ende Juli gemeldet worden, elf davon mit tödlichem Ausgang. Dabei irritierte den Gesundheitshüter, daß sich die Polio-Viren offensichtlich nicht an den konfessionellen Proporz in Düsseldorf hielten, sondern weit mehr Katholiken attackierten als Protestanten. Den Infektionsherd hatte Baron bald entdeckt – es war der Kindergarten der katholischen Herz-Jesu-Pfarre in dem dichtbevölkerten Stadtteil Derendorf. Aus diesem Bezirk kamen allein 33 der insgesamt 106 Polio-Erkrankten. Von den elf Todesfällen entfielen sogar sieben auf Derendorf.

Professor Baron folgerte, daß möglicherweise ein katholisches Ritual die Übertragung der gefürchteten Poliomyelitis begünstige. Auf der Suche nach einem Infektionsträger keimte in dem Stadtmedikus der Verdacht auf, daß die Viren durch das Weihwasser aus der Derendorfer Herz-Jesu-Kirche weitergetragen worden waren.

Sakrale Scheu hielt den Professor jedoch davon ab, seinen Verdacht durch eine bakteriologische Untersuchung des Weihwassers zu untermauern: “Ich halte das für einen nicht vertretbaren Eingriff in kirchliche Hoheitsrechte.”

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480.000 Impf-Cocktails

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1960-08-31, 07:33 [Wednesday]

… als Riegelungsimpfung in eine Epidemie hinein …

Mit einiger Sorge sehen der Westberliner Senator für das Gesundheitswesen, Dr. Hans Schmiljan, und der Seuchenreferent des Landesgesundheitsamts Berlin, Dr. med. Helmuth Kochs, dem Ausgang einer Untersuchung entgegen, mit der eine Kommission Westberliner Ärzte und Institutsleiter zur Zeit befaßt ist.

Das Mediziner-Gremium prüft, ob die Gesundheitsverwaltung von Westberlin einen bislang in Deutschland nicht erprobten Impfstoff gegen Kinderlähmung ohne genügende Sorgfalt angewendet hat und ob etwa die 50 Fälle von spinaler Kinderlähmung (Poliomyelitis), die in diesem Sommer in Westberlin registriert wurden, auf den leichtfertigen Einsatz des Impfstoffs zurückgeführt werden müssen.

Westberlin, für Spenden besonders aufgeschlossen, empfing aus den Vereinigten Staaten kostenlos 18 Zentner eines Polio-Impfstoffs, den der amerikanische Wissenschaftler Harold R. Cox in den vergangenen Jahren entwickelt und in Nord- und Südamerika erfolgreich angewendet hatte.

Gegen die Kinderlähmung, die augenblicklich in Westdeutschland grassiert*, wurden bisher hauptsächlich, zwei Abwehrmittel eingesetzt:

  • in der westlichen Welt der Impfstoff des Amerikaners Salk, der aus abgetöteten Polio-Viren gewonnen und zur Immunisierung in kurzen Abständen zwei- oder dreimal eingeimpft wird;
  • in der Sowjet-Union und fast allen östlichen Staaten die Vakzine des Russen Sabin, ein aus geschwächten Polio-Erregern extrahierter Impfstoff, der in Tablettenform verabreicht wird.
  • Die Cox-Spende als drittes Immunisierungsmittel kam Westberlin sehr gelegen, waren doch im Frühjahr 1960 an alle Ostberliner Kinder und Jugendliche Sabin-Tabletten ausgegeben worden, und die Gesundheitsverwaltung Westberlins glaubte daraufhin, nun auch in ihrem Bereich Schutzmaßnahmen treffen zu müssen.

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    Poliovirus erstmals nachgewiesen

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    1948-12-11, 11:03 [Saturday]

    … alte Theorien über die Entstehung der Kinderlähmung erwiesen sich als falsch …

    In der jahrelangen Vernichtungsschlacht gegen den Erreger der Spinalen Kinderlähmung meldeten amerikanische und schwedische Aerzte den ersten großen Erfolg. Sie haben ihren Gegner, einen kleinen, fadenförmigen Virus, mit Hilfe des Elektronenmikroskops entdeckt, fotografiert und ihn auf dem Wege durch den Körper eines Rhesus-Affen verfolgt. Er ist 1/20- bis 1/30millionstel Millimeter groß und marschiert mit einer Marschgeschwindigkeit von 2,4 mm pro Stunde auch durch die dicksten Porzellangefäße. 30 Jahre lang wurde vermutet, daß die Infektion als Tröpfchenübertragung im Nasen- und Rachenraum erfolge. Die letzten Versuche ergaben, daß sie über die Lymphwege in die ferner gelegenen Nerven eindringt und dann das Zentralnervensystem befällt. (Allein in Bayern erkrankten 1948 etwa 1800 Personen an Spinaler Kinderlähmung. Davon sind 127 gestorben.)

    Quelle: