… wenn Abwägung notwendig ist …
Die Seuche kennenzulernen, war der Arzt nach Indien geflogen. Wieder zu Hause, diagnostizierte der Hannoveraner Dermatologe Dr. Jürgen Fischer, 47, die entstehende Infektionskrankheit an sich selber: Pocken.
Zum zweitenmal in den letzten sechs Wochen sind Pocken-Viren, im Flugzeug Kontinente überspringend, In die Bundesrepublik eingeschleppt worden. Mitte letzten Monats hatten 141 Regensburger — Mitbürger der an Pocken erkrankten Indien-Urlaubsreisenden Anna Schmaus — in Quarantäne gehen müssen; 40 000 hatten sich zur vorbeugenden Impfung gedrängt.
In Regensburg wurde die Gefahr einer Epidemie gebannt. Und auch bei dem neuesten, dem Hannoveraner Pockenfahl hoffen die Ärzte, die Seuche zu besiegen, noch ehe sie ausgebrochen ist.
Als Triumph ihrer Wissenschaft erachten es die Mediziner, daß die einst völkerverheerende Seuche in Europa ihre Schrecken verloren hat — durch eine Maßnahme, die in Deutschland vor knapp einem Jahrhundert gesetzlich verankert wurde: zweimalige zwangsläufige Impfung aller Kinder, unter drei und mit zwölf Jahren.
Doch paradoxerweise diskutieren seit einigen Jahren Kinder- und Impfärzte nicht nur in Westdeutschland, ob dieses Verfahren noch sinnvoll, ob der gesetzliche Zwang zur Pockenimpfung der Kleinkinder noch vertretbar sei.
Kernpunkte der Debatte:


